Deutscher Meister gewinnt 63. Eschborn-Frankfuert

Zimmermann pokert und triumphiert vor der Alten Oper

Von Jens Claussen und Matthias Seng

Foto zu dem Text "Zimmermann pokert und triumphiert vor der Alten Oper"
Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) hat das 63. Eschborn-Frankfurt gewonnen. | Foto: Cor Vos

01.05.2026  |  (rsn) – Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) hat bei Eschborn-Frankfurt (1.UWT) die schwarze Serie der heimischen Fahrer beendet. Der Deutsche Meister setzte sich über 211,4 Kilometer der 63. Ausgabe vor der Alten Oper im Sprint einer zwölfköpfigen Ausreißergruppe vor den beiden Briten Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) und Ben Tulett (Visma – Lease a Bike) durch und sorgte beim Heimspiel für den ersten deutschen Sieg seit 2019.

Vierter wurde der Spanier Pello Bilbao (Bahrain Victorious) vor dem Italiener Simone Gualdi (Lotto – Intermarché). Mit Florian Stork (Tudor) auf Rang neun landete ein zweiter deutscher Profi in den Top Ten, die Felix Engelhardt (Jayco - AlUla) als Elfter knapp verpasste.

“Ich habe immer gehofft, in diesem wunderschönen Trikot mal gewinnen zu können. Und dass es jetzt in Frankfurt klappt, ist das Non-Plus-Ultra. Das ist das schönste, das ich bisher in meiner Karriere erleben durfte. Ich bin unfassbar stolz und erschöpft und glücklich…und alles zusammen", sagte der 28-jährige im Ziel-Interview mit dem HR-Fernsehen.

Für Zimmermann war es der erste Erfolg beim 1. Mai- Klassiker nach eigenen Worten auch der größte in seiner neunjährigen Profikarriere. “Ich habe mir den Plan so zurechtgelegt, dass ich weiter hinten um die letzte Kurve fahre. Ich hatte gedacht, dass das Tempo nochmal runterfällt. Das habe ich gemacht, aber das Tempo blieb hoch und ich dachte für einen Augenblick, dass ich mich verpokert habe", erzählte er. Und ja, die Bilder zeigten dann einen Zimmermann, der von ziemlich weit hinten auf der rechten Seite herangerauscht kam.

 “Bei 300 Metern fahre ich von hinten mit richtig Schwung los. Pello (Bilbao) fuhr noch ein bisschen nach rechts, da hatte ich etwas Angst, dass er mir noch die Bahn zumacht. Ich konnte mich aber noch durchmogeln und bin die letzten 150 Meter von vorn gefahren“, schilderte er den packenden Schlussspurt. “Ich habe alles auf die Pedale geworfen, was noch da war und gehofft, dass von hinten keiner mehr rumkommt. Und so ist es dann auch geblieben“, schloss er sichtlich zufrieden seinen ersten Kommentar direkt nach Rennende.

Für den gebürtigen Augsburger war die bisherige Saison bislang durchwachsen verlaufen, hatte er doch in den ersten Monaten als bestes Resultat einen 26. Platz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich stehen. In den Ardennen habe er aber schon bemerkt, dass die Form in die richtige Richtung ginge. “Ich fühle mich gut, das war bei den Ardennenklassikern auch schon so. Aber das hat sich in den Ergebnislisten nie gezeigt. Bei der letzten Chance dieses Rennblocks kam jetzt alles zusammen und ich bin etwas sprachlos und einfach sehr glücklich“, so der stolze Sieger, der nun in die wohl verdiente Rennpause gehen kann.

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So lief Eschborn-Frankfurt 2026:

Max Walscheid (Lidl – Trek) und Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) eröffneten bei strahlendem Sonnenschein gleich nach dem Start den Kampf um die Gruppe des Tages, die sich dann aber ohne die beiden deutschen Routiniers nach schnellen ersten 20 Kilometern formierte und schließlich aus fünf Fahrern bestand: Zunächst fuhren Lokalmatador Jonas Rutsch (Lotto – Intermarché) und der Tscheche Tomas Kopecky (Unibet – Rose Rockets) zu den kurz zuvor enteilten Franzosen Thomas Gachignard und Samuel Leroux (beide TotalEnergies) vor, ehe kurz darauf auch noch dem Litauer Aivaras Mikutis (Tudor) der Anschluss gelang.

Danach ging die Schere schnell bis auf mehr als sieben Minuten auf. Im Feld übernahmen Pinarello und Ineos Grenadiers die Kontrolle und begannen in der ersten der beiden Feldberg-Überquerungen damit, der Rückstand zu reduzieren. Viel änderte sich dann aber nicht am Abstand, 110 Kilometer vor dem Ziel betrug er immer noch rund sechs Minuten. Als es dann zum zweiten Mal den Feldberg hinaufging, hatte das Quintett zwar eine Minute auf das Feld eingebüßt – nicht aber an Entschlossenheit, weiter gemeinsam aufs Tempo zu drücken.

Nach der zweiten Überquerung des Feldbergs erhöhte Uno-X Mobility bei den Verfolgern das Tempo. Der Vorsprung schmolz schnell um zwei Minuten, Lokalmatador John Degenkolb (Picnic - PostNL) war wie zahlreiche weitere Sprinter zu diesem Zeitpunkt bereits abgehängt. Rutsch und Gachignard erwiesen sich fortan als die Stärksten der Ausreißer und fuhren zunächst alleine Richtung Mammolshainer Berg, der vor dem unmittelbaren Finale noch zweimal überquert werden musste. Dahinter hatten sich Tim Wellens (UAE – Emirates XRG) und Emiel Verstrynge (Alpecin – Premier Tech) auf den Weg gemacht, die Ausreißer noch vor Mammolshain einzuholen.

Das Streckenprofil von Eschborn-Frankfurt | Foto: Veranstalter

66 Kilometer vor Ziel war es dann um Rutsch & Co. geschehen. Bei der zweiten Überquerung des Mammolshainer Berges waren Wellens und Verstrynge allein vorn. Mit rund 50 Sekunden Vorsprung überquerten sie den Anstieg, ehe Verstrynge von Krämpfen geplagt abreißen lassen musste und Wellens kurz darauf am letzten Mammolshainer geschluckt wurde.

Hier setzte sich dann eine 12-köpfige Gruppe ab, in der auch die Deutschen Zimmermann, Storck und Engelhardt sowie mit Pidcock, Bilbao, Izagirre und Alex Baudin (EF Education – EasyPost) weitere Favoriten dabei waren. Red Bull – Bora – hansgrohe konnte dagegen keinen Fahrer vorne platzieren. Auch der Vorjahreszweite Magnus Cort fehlte, sein Team Uno-X Mobility bolzte folgerichtig im Feld dahinter Tempo.

Der Rückstand, der bis nach Frankfurt hinein stabil rund 30 Sekunden betrug, schrumpfte dann aber auf den letzten fünf Kilometern deutlich, als die Sprinterteams im Feld in die Offensive gingen. Danach wurde es spannend, weil die Spitzengruppe nicht mehr rund lief und die Verfolger Morgenluft witterten. Eingangs des Schlusskilometers betrug der Vorsprung der Ausreißer nur noch wenige Meter, 500 Meter vor dem Ziel stand der Zusammenschluss kurz bevor.

Doch dann eröffnete Michael Valgren (EF Education – EasyPost) früh den Sprint und zog seine Begleiter mit sich. Zimmermann war zu diesem Zeitpunkt an vorletzter Position in der Gruppe, um dann unwiderstehlich auf der linken Seite an allen seinen Gegnern vorbeizuziehen und sich seinen ersten Sieg in einem Eintagesrennen auf WorldTour-Niveau zu sichern.

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