Bouhanni wird Sieg aberkannt - Degenkolb Zweiter

Caleb Ewan gewinnt im Chaos von Hamburg

Von Daniel Brickwedde

Foto zu dem Text "Caleb Ewan gewinnt im Chaos von Hamburg"
Caleb Ewan (l.) gewinnt die Hamburger Cyclassics vor John Degenkolb. | Foto: Cor Vos

21.08.2016  |  (rsn) - Nach dem Zielstrich jubelte Nacer Bouhanni (Cofidis). Auf dem Podium stand anschließend allerdings Caleb Ewan (Orica-BikeExchange) auf der höchsten Stufe. Der junge Australier wurde nachträglich nach 217,7 Kilometern zum Sieger der 21. EuroEyes-Cyclassics gekürt – Bouhanni wegen unsauberer Fahrweise im Schlussprint zurückgestuft. Platz zwei ging an John Degenkolb (Giant-Alpecin) vor Giacomo Nizzolo (Trek-Segafredo). Dabei wäre beinahe einer Spitzengruppe der ganz große Coup in Hamburg gelungen.

Ein Schlenker, und der Sieg war dahin. Große Jubelszenen gab es bei Nacer Bouhanni im Ziel nicht, sondern zunächst Irritation – und anschließend die Annullierung seines Erfolges. Der Franzose fuhr im Sprint nach Auffassung der Rennjury kurz vor dem Ziel eine Welle, die seinen Kontrahenten Ewan entscheidend behinderte. Dessen Team Orica-BikeExchange legte Protest ein und wurde erhört: Caleb Ewan wurde zum Sieger der Cyclassics erklärt. "Ich startete meinen Sprint, um an Bouhanni vorbeizuziehen und er zog in meine Linie. Ich wusste aber zunächst nicht, was los war. Ich machte mich für die Siegerehrung bereit und hörte dann, dass es einen Protest gab", erklärte der Australier die Irritation im Ziel.

"Es auf diese Art zu gewinnen, ist aber nicht ganz so toll. Schöner ist es, wirklich als erster die Linie zu überqueren", erklärte Ewan seinen Sieg. Für sein Team war es nach dem Erfolg von Matthew Haymann bei Paris-Roubaix bereits der zweite  großeErfolg in dieser Saison. Bouhanni wurde dagegen  noch bis auf Platz 27 der Tageswertung zurückgestuft. Das Chaos perfekt machte Giacomo Nizzolo, der zunächst Vierter wurde, in der Folge seine Aufwertung auf das Podium aber gar nicht mehr mitbekam. Der Italiener war längt von Rennen verschwunden und fehlte sowohl auf dem Podium als auch auf der anschließenden Pressekonferenz.

Aus dem aussichtsreichen deutschen Trio konnte am Ende nur John Degenkolb als Zweiter überzeugen. "Ich war eigentlich ein wenig zu weit hinten, als der Sprint wirklich losging. Ich war auf der linken Seite eingebaut und ab da ging es für mich nur noch um Schadensbegrenzung. Ich habe versucht, einfach noch einen guten Sprint zu fahren. Am Ende kann ich damit glücklich sein", kommentiere Degenkolb den chaotischen Schlusssprint.

Wesentlich schlechter lief es dagegen für Vorjahressieger André Greipel (Lotto Soudal), der lediglich Zehnter wurde, und Marcel Kittel (Etixx-QuickStep), der aus der Entscheidung komplett außen vor war und auf Platz 76 gewertet wurde. Der Arnstädter erlitt kurz vor der Ein-Kilometer-Marke in guter Position am Hinterrad von Bouhanni einen Reifenschaden.

Das Finale wurde zusätzlich hektisch durch einen Sturz innerhalb des letzten Kilometers und einer Ausreißergruppe, die erst wenige Hundert Meter vor dem Ziel gestellt wurde. Die Gruppe um den Österreicher Lukas Pöstlberger (Bora-Argon 18), Matteo Montaguti (Ag2R), Alessandro De Marchi (BMC), Matej Mohoric (Lampre-Merida), Kamil Gradek (Verva Activejet) und Maxat Ayazbayev (Astana) fand sich gleich nach dem Start und kämpfte sich über die gesamte Renndistanz. An der letzten Passage des Wasebergs 16 Kilometer vor dem Ziel verteidigte die Gruppe noch einen Vorsprung um die 1:40 Minuten. Ein Kampf bis zur Ziellinie folgte, der am Teufelslappen noch ein Trio um Pöstlberger, De Marchi und Gradek wenige Meter vorne sah.

Gegen das heranrasende Feld waren sie dennoch machtlos.

Weiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößern

Mehr Informationen zu diesem Thema

22.08.2016Nacer Bouhanni bezahlt für seinen schlechten Ruf

(rsn) - Nacer Bouhanni (Cofidis) ist gewiss nicht der Typ „Everybody’s Darling“. Der Franzose gilt als Fahrer, der gerne kompromisslos und durchsetzungsstark seine Sprints fährt – und das nic

21.08.2016Bouhanni bekommt Sieg aberkannt, Ewan rückt nach

(rsn) - Nacer Bouhanni (Cofidis) hat sich nur kurze Zeit über seinen Sieg bei den Euroeyes Cyclassics freuen können. Der Jury distanzierte den Sprinter wegen eines unkorrekten Sprintes. Davon profit

21.08.2016Degenkolb fühlt sich in Hamburg "wieder auf dem alten Niveau"

(rsn) - Die Weltmeisterschaft in Katar (16. Oktober) wirft ihre Schatten voraus – auch zu den EuroEyes-Cyclassics in Hamburg. Der Kurs in Doha kommt den schnellen Männern entgegen und stellt der Sp

20.08.2016Wer hat die besten Beine für die WM-Kapitänsrolle?

(rsn) - Der neue Name klingt noch etwas sperrig. Vattenfall zog sich nach zehn Jahren als Hauptsponsor zurück und brachte die Verantwortlichen ernsthaft in Bredouille, ehe mit dem Hamburger Unternehm

17.08.2016Titelverteidiger Greipel führt Startliste in Hamburg an

(rsn) – Von wenigen Ausnahmen abgesehen tritt am Sonntag bei der 21. Auflage der Euro Eyes Cyclassics in Hamburg die Weltelite der Sprinter an. Die Startliste beim einzigen deutschen WorldTour-Renne

15.08.2016Degenkolb hat wieder den richtigen Punch

(rsn) – Luca Guercilena ist zuversichtlich, dass John Degenkolb nach seiner schweren Verletzung in der kommenden Saison bei den Klassikern an seine Erfolg aus dem Jahr 2015 anknüpfen kann, als er M

06.07.2016Hamburger Cyclassics präsentieren neuen Titelsponsor

(rsn) – Der Fortbestand der Hamburger Cyclassics ist gesichert. Wie Ironman Unlimited Events Germany, der Veranstalter des einzigen deutschen WorldTour-Rennens, am Nachmittag meldete, tritt das Hamb

12.05.2016Ziehen die Cyclassics nach Berlin, Stockholm oder Wales?

(dpa/rsn) – Seit 20 Jahren gibt es die Cyclassics in Hamburg. Nun droht der Hanse-Metropole der Verlust von  Deutschlands einzigem WorldTour-Rennen.  Sollte in nächster Zeit kein neuer Titelspons

Weitere Radsportnachrichten

03.04.2025Flandern-Rundfahrt im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Die Flandern-Rundfahrt bildet für Radsport-Fans gemeinsam mit Paris-Roubaix das Highlight der Klassikerwochen eines jeden Frühjahrs. Das belgische Monument, am 25. Mai 1913 erstmals ausgetra

03.04.2025Niewiadoma hofft bei der Ronde auf die Power aus dem Vorjahr

(rsn) - Diese Szene gefiel Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – zondacrypto) beim gestrigen Dwars door Vlaanderen (1.Pro) überhaupt nicht: Als Elisa Longo Borghini (UAE - ADQ) zu ihrem letztendlich

03.04.2025Fraile hängt am Jahresende das Rad an den Nagel

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

03.04.2025Die Aufgebote für die 109. Flandern-Rundfahrt

(rsn) – Mit der Flandern-Rundfahrt (1.UWT) steht am Sonntag der Höhepunkt der flämischen Klassikerwochen an. Die 109. Ausgabe der “Ronde“ führt über 269 Kilometer Wochenende von Brügge nach

03.04.2025Die Strecke der Flandern-Rundfahrt 2025

(rsn) – Ein paar Änderungen an der Strecke gibt es immer. Da macht auch die Flandern-Rundfahrt 2025 keine Ausnahme. Doch neben dem jährlichen Wechsel zwischen den Startorten Antwerpen und Brügge,

03.04.2025Evenepoel startet bei der Tour de Romandie

(rsn) - Remco Evenepoel (Soudal – Quick) wird am Start der diesjährigen Tour de Romandie stehen, wie die Organisatoren der am 29. April mit einem Prolog in Saint-Imier beginnenden Schweizer WorldTo

03.04.2025Erholt sich Visma-Kapitänin Vos rechtzeitig zur Flandern-Rundfahrt?

(rsn) – Wenn es am kommenden Sonntag bei der 22. Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) auf der Zielgerade in Oudenaarde zum finalen Sprint einer kleineren Gruppe kommen sollte, könnte Marianne Vos

03.04.2025Niedermaier: “Wünsche mir, beim Giro ganz oben zu stehen“

(rsn) - Nach ihrem ersten Rennblock, der mit Rang 37 bei der Trofeo Alfredo Binda (1.WWT) endete, nahm sich Antonia Niedermaier die Zeit, um mit RSN über ihren Saisoneinstieg, ihre veränderte Rolle

03.04.2025Lungenentzündung: Bettiol sagt für Flandern-Rundfahrt ab

(rsn) - Alberto Bettiol (XDS – Astana) wird am Sonntag nicht zur Flandern-Rundfahrt antreten können. Wie der Italienische Meister auf der Website seines Teams erklärte, habe er sich eine Lungenent

03.04.2025Die Aufgebote für die 22. Flandern-Rundfahrt der Frauen

(rsn) – Zum mittlerweile 22. Mal steht die Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) im Programm. Rund um Oudenaarde müssen die Fahrerinnen aus 24 Teams insgesamt 168,9 Kilometer absolvieren, wobei zwÃ

03.04.2025Flandern-Rundfahrt der Frauen: Die letzten zehn Jahre

(rsn) – Die Flandern-Rundfahrt der Frauen ist das älteste durchgängig ausgetragene unter den Monumenten im Frauen-Kalender – und nach der Trofeo Alfredo Binda sowie dem Flèche Wallonne und dem

02.04.2025Highlight-Video des 13. Dwars door Vlanderen der Frauen

(rsn) - Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ) ist bereit für die Titelverteidigung bei der am Sonntag anstehenden Flandern-Rundfahrt. Das bewies die Italienische Meisterin eindrucksvoll bei der 13. Aus

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour of Hellas (2.1, GRE)