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Zwiehoff: Aus dem Experiment wurde ein voller Erfolg

Von Kevin Kempf

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Ben Zwiehoff (Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

29.12.2023  |  (rsn) – Die Geschichte von Ben Zwiehoff ist inzwischen hinlänglich bekannt. Der gehobene Mittelklassemountainbiker – sein bestes Ergebnis im Weltcup war Platz 23 in Nove Mesto – und Gelegenheitscrosser wurde Ende 2020 aus heiterem Himmel von Bora – hansgrohe als Neuzugang für die neue Saison vorgestellt. Internationale Erfahrung auf Asphalt? Eine 2.2-Rundfahrt in Polen im Juli 2020. Nach drei Jahren auf der Straße hat sich der Essener auf Platz 206 der Weltrangliste vorgekämpft. Damit ist Zwiehoff sowohl zwölftbester Fahrer seines Landes als auch seiner Mannschaft.

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Zwiehoff verbesserte sich jedes Jahr signifikant. Als Neoprofi konnte er mitfahren, 2022 erzielte er seine ersten beiden Top-Ten-Ergebnisse, nun schaffte er deren elf. “Meine Saison war durchweg positiv! Ich habe es geschafft, von Januar bis Oktober konstant Top-Leistungen abzurufen. Das war umso überraschender und schöner, weil wir durch die Geburt unserer Tochter Malia doch einen recht turbulenten April hatten. Alles in allem bin ich sehr stolz auf meine Saison und dankbar, dass ich es konstant geschafft habe, vorne reinzufahren“, resümierte der 29-jährige Späteinsteiger gegenüber radsport-news.com.

Sein achter Platz bei der stark besetzten UAE Tour war für Ben Zwiehoff (Bora – hansgrohe) das persönliche Highlight des Jahres. | Foto: Cor Vos

Zwiehoff wusste aber nicht nur durch beständige Leistungen zu überzeugen, sondern hatte auch einige persönliche Höhepunkte vorzuweisen. “Obwohl ich auch zwei Podiumsplätze im GC dabei hatte, würde ich tatsächlich die UAE-Tour als Highlight rauspicken“, hob Zwiehoff seinen achten Gesamtrang bei der Rundfahrt Ende Februar hervor. “Dort gelang es mir, zum ersten Mal auf WorldTour-Level in die Top 10 zu fahren. Mit der Erfahrung und dem Selbstvertrauen vom Ende des Jahres wäre da sogar noch mehr drin gewesen“, fügte er an.

Im Oktober nämlich belegte Zwiehoff den zweiten Platz im Gesamtklassement der Tour of Türkiye (2.1), nur der Kasache Alexey Lutsenko (Astana Qazaqstan) erwies sich zum Saisonausklang als stärker. Sein erstes Podium hatte Zwiehoff drei Monate zuvor bei der Czech Tour (2.1) erzielt, dort musste er seinem Teamkollegen Florian Lipowitz den Vortritt lassen.

Pawlowskys Prophezeihung wurde wahr

In fünf seiner neun Rundfahrten des Jahres fuhr Zwiehoff unter die Top Ten, zwei weitere Male langte es für die besten 15. Das beweist Kontinuität, die nur wenige Radprofis vorweisen können. “Die Konstanz im GC ist das, was mir von der Saison am meisten hängen bleibt. Ich habe mir selbst bewiesen, dass das, was mir alle Trainer auf dem MTB schon immer gesagt haben, wirklich zutrifft. Robert Pawlowsky, unser OSP-Trainer in NRW und ehemaliger Trainer von Katusha, hat mir 2014 bereits nahegelegt, dass ich ein super Rundfahrer auf der Straße sein kann“, erzählte Zwiehoff. Fast ein Jahrzehnt später kann sich Pawlowsky bestätigt sehen.

Bei der Czech Tour feierte Zwiehoff (li.) als Gesamtzweiter auf dem Podium mit seinem Teamkollegen Florian Lipowitz (Mi.), der sich die Gesamtwertung sicherte. | Foto: Cor Vos

“Der Hauptgrund für die Steigerung ist die dazugekommene Erfahrung. Da kann ich auch immer noch einiges dazu lernen. Deswegen glaube ich, dass ich trotz meiner 29 Jahre auch noch eine gute Entwicklung hinlegen kann. Ich freue mich drauf zu sehen, was die nächsten Jahre noch bringen und wo die physiologischen Grenzen liegen“, blickte Zwiehoff voraus.

Denn sowohl der Erfolg als auch die ansteigende Leistungskurve machen Hunger auf mehr: “Meine größte Stärke neben dem Bergfahren ist definitiv meine Erholungsfähigkeit während eines Etappenrennens. Deswegen bin ich mir auch sicher, dass ich in den nächsten Jahren sowohl ein wertvoller Helfer als auch ein guter GC-Fahrer für mein Team sein kann“, prognostizierte Zwiehoff selbstbewusst.

Ãœberzeugend als Domestik und Ergebnisfahrer

Schon diese Saison war er als Domestik bei den großen und als Ergebnisfahrer bei kleineren Rennen im Einsatz. “Diese Doppelrolle macht mir unglaublich viel Spaß!“, betonte er. Doch gibt es für den ehemaligen Mountainbiker in der Teamhierarchie noch Platz nach oben? “Wohin die Reise konkret geht in Sachen Rennplanung und Rollen, werden wir dann sehen. Ich habe mein Programm, aber das ist noch nicht komplett spruchreif. Ich lege aber relativ bald los, von daher bin ich auch schon wieder ziemlich im Modus“, verriet Zwiehoff von Mallorca aus dem Bora-Trainingslager.

In seinem letzten Saisoneinsatz reichte es für Zwiehoff nach einer weiteren starken Vorstellung zum zweiten Gesamtrang bei der Türkei-Rundfahrt. | Foto: Cor Vos

So geht der Kletterer zuversichtlich in seine vierte Saison als Straßenprofi. Was damals, als Bora – hansgrohe mit Zwiehoff und Anton Palzer zwei Athleten ohne Straßenerfahrung zu Profis machte, wie ein kühnes Experiment aussah, ist im Fall des ehemaligen Mountainbikers jetzt schon ein voller Erfolg.

“Mich macht es stolz, von vielen Seiten zu hören, dass der Wechsel vom MTB auf die Straße durchweg positiv gesehen wird. Das war mein ursprüngliches Ziel. Ralph (Teamchef Ralph Denk, d. Red.) hat mir damals das nötige Vertrauen entgegengebracht und ich gebe mein Bestes, ihn mit guten Leistungen Jahr für Jahr zu bestätigen. Mir gefällt der Gedanke, dass dieses Experiment jetzt anfängt, Früchte zu tragen und die Entwicklungskurve nach oben zeigt“, freute sich Zwiehoff die Saison 2024.

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